Coronavirus: Die Gefahr

von Peter Wurm:

Wie die Geschichte beweist, ist der Mensch das gefährlichste Tier dieses Planeten. Wir sind es für andere, aber auch für uns selbst.

Wer nach dem Grund dafür sucht, braucht nur hie und da eine österreichische Zeitung zu lesen. Da wird in aller Schonungslosigkeit deutlich, was uns so gemeingefährlich macht: Es ist unsere rücksichtslose Blödheit.

So schreibt beispielsweise der Herausgeber des österreichischen politischen Magazins “profil” in diesen Tagen:

“Österreich liegt im Aufwachraum der Krise. Die Kurven kurven nicht mehr, sie ziehen steil nach unten. Zu Ende der vergangenen Woche waren noch 2500 Menschen an Covid-19 erkrankt. Das entspricht nicht einmal 0,3 Promille der Bevölkerung, also weniger als einem von 3000 Bürgern. Kalibriert an der jüngst erhobenen Dunkelziffer kommen wir auf einen von 1300. Was exponentiell nach oben ging, fällt nun wie ein Stein nach unten. Die schlimmste Krise seit 1945 muss mit der medizinischen Feinwaage gemessen werden. Was wie ein Widerspruch wirkt, ist keiner. Corona ist ein Paradoxon. Die Annahmen und die Ergebnisse sind nicht in Einklang zu bringen.”

Wer Österreich kennt, wird von solch einfältiger Beobachtungsgabe nicht überrascht sein. Versuchen wir daher, den österreichischen “Aufwachraum der Krise” zu verstehen:

Als der deutsche Virologe Christian Drosten in der letzten Woche im öffentlichen Rundfunk Österreichs gefragt wurde, wie denn die Maßnahmen der Regierungen gegen COVID-19 “im Rückblick” zu bewerten wären, da sagte er folgendes: “Ich glaube, wir haben zunächst noch keinen Rückblick anzustellen, sondern wir befinden uns mitten in einer Entwicklung, wenn nicht sogar am Anfang einer Entwicklung.”

Dennoch wähnt sich der Herausgeber des “profil” also im “Aufwachraum” und hält “Corona” für ein “Paradoxon”. Versuchen wir daher für die einfältigen österreichischen Gemüter einen Vergleich mit dem AIDS-Virus HIV:

Das AIDS-Virus HIV wird über Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma und Vaginalsäfte) übertragen. Wenn es daher zu keiner Übertragung dieser Körperflüssigkeiten kommt, so kommt es auch zu keiner Ansteckung.

Das COVID-19 Virus SARS-CoV-2 wird ÜBER DIE ATEMLUFT übertragen. Wenn es daher zu keiner Übertragung dieser Atemluft kommt, so kommt es auch zu keiner Ansteckung.

Man kann die Ausbreitung von AIDS dadurch verhindern, dass es zu keinem ungeschützten Geschlechtsverkehr kommt.

Und man kann daher die Ausbreitung von COVID-19 dadurch verhindern, dass es zu keiner ungeschützten Atemübertragung kommt.

Zum Zweck der Verhinderung von AIDS kann man daher auf intimen Körperkontakt verzichten oder Kondome verwenden.

Zum Zweck der Verhinderung von COVID-19 kann man daher auf persönlichen Körperkontakt verzichten oder Masken verwenden.

Wenn die Zahl der Infizierungen durch diese Maßnahmen entscheidend zurückgeht, dann bedeutet das NICHT, dass diese Maßnahmen falsch waren. Ganz im Gegenteil.

Dadurch, dass die Übertragung bei COVID-19 über die Luft erfolgt, geschieht die Ansteckung auch viel leichter als bei AIDS, bis hin zum pandemischen Ausmaß. Wir wissen seit Anfang an, dass sich ein Virus in einer Epidemie so lange vermehrt, bis es bis zu 70 Prozent einer Bevölkerung erfasst hat. In einer Pandemie tut es dies auf der ganzen Welt.

Zur Zeit ist in Österreich schätzungsweise 1 Prozent der Bevölkerung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert. Davon sind bis zum heutigen Tag 569 Menschen offiziell verstorben. Die restlichen 69 Prozent warten noch.

Willkommen im “Aufwachraum”!

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